Reiseberichte

Loslassen, was uns gestern bewegt hat, und uns nicht darum sorgen, was morgen sein wird, ist ein elementares biblisches Gebot. (Brennan Manning)
Diesen Spruch schrieb Elfriede über ihren Einsatzplan für unseren Aufenthalt in Mediasch. Wir, das waren Elfriede Fronius, Sibylle Böck und ich, Barbara Dauenhauer. In der Zeit vom 24. Januar- 4.Februar besuchten wir das Frauenhaus. Zwei weitere Frauen Angela Scheven und Susanne Brink konnten leider durch den Fluglotsenstreik in Düsseldorf nicht mit dabei sein. Für mich war es das erste Mal, dass ich das Land Rumänien und besonders das Frauenhaus Esther besuchen konnte. So stürmten auf mich viele, neue Eindrücke verschiedenster Art ein.
Elfriede hatte ein umfangreiches Programm ausgearbeitet: Besichtigungen und Besuche der Stadt Mediasch, Besuch eines Zigeunerdorfes und Einrichtungen von verschiedenen christlichen Gemeinden zur Hilfe der notleidenden Menschen, z. B einer Essensausgabe und Musikschule für Zigeunerkinder, verbunden mit der Weitergabe der frohen Botschaft. Durch den dadurch entstandenen Kontakt, versucht man diesen Kindern eine Perspektive für ihr Leben zu geben.
Auch den Bau eines Freizeitheims für Kinder in einem Bergdorf von einer Pfingstgemeinde, durfte ich sehen. So können in Zukunft arme Kinder im Sommer hier Ferien machen und gleichzeitig auch Jesus kennen lernen.
Ich bekam Einblick in die vergangene, aber auch zukünftige, Arbeit des Frauenhauses. Es war für mich greifbar zu sehen, wie Gott Menschen gebrauchen kann, wenn sie sich ihm zur Verfügung stellen und auf “Ihn” hören. So habe ich die letzten Bewohnerinnen und Angestellten mit ihren schlimmen oder besser gesagt furchtbaren Vergangenheiten kennengelernt und gesehen, welch wunderbare Frauen Gott aus ihnen gemacht hat. Sie sind mir in den 10 Tagen buchstäblich ans Herz gewachsen.
Darüber hinaus konnte ich bei einem “Ehemaligentreffen” auch noch andere Frauen kennen und schätzen lernen. Für mich war es immer wieder überwältigend zu sehen wie Gott diese Frauen wiederhergestellt hat, so dass sie heute fröhliche Gotteskinder sind und auch ihr Leben, teils mit ihren Kindern, alleine gestalten. Natürlich haben sie auch noch Schwierigkeiten, z.B. mit der Arbeit, in finanzieller Hinsicht oder mit Krankheiten, aber sie wissen, dass Gott ihr Vater ist und “Er” ihnen helfen kann. Und dann ist da ja immer noch die Verbindung zum Frauenhaus Esther……
An dieser Stelle möchte ich auch Elfriede erwähnen, die für die Frauen eine Mutter ist, welche man gerne um Rat und Meinung in verschiedenen Bereichen fragt. Dieses konnte ich ständig sehen und erleben. Die Frauen und auch die Mitarbeiter genossen ihre Nähe und freuten sich, wenn sie mit uns und ihnen Gemeinschaft hatte .So hatten wir Abende mit Andachten, einen Lobpreisabend, einen Filmabend und zwei Bastel-Gemeinschaftsnachmittage. Das Singen nahm immer einen großen Platz ein und hat mich jedes Mal tief berührt.
Auf meine Frage:”Was hat Dir das Haus Esther gegeben?” war zu 90% die Antwort: “Familie, Schutz und dass ich Jesus kennen lernen durfte.” Ich konnte erleben wie Gottes Liebe hier sichtbar gemacht wurde und hoffentlich noch mehr wird. Damit das noch viel mehr der Fall sein kann, wird es in diesem Jahr bauliche Veränderungen geben, z. B. ist ein größeres Esszimmer geplant.
Durch den Umbau des Frauenhauses dieses Jahres stehen neue Herausforderungen in baulicher und finanzieller Hinsicht an. So hatte Elfriede auch einige Termine mit der Bank, dem Notar und einem Nachbarn, zu welchen wir sie im Gebet begleiten durften. Besonders das Gespräch mit dem Nachbarn, der im Vorfeld dem Bauvorhaben nicht so positiv gegenüber eingestellt war, bereitete uns im Vorfeld große Sorge, aber – Gott sei Ehre und Dank – verlief das Gespräch in Frieden und der Nachbar gab seine Zustimmung.
Wegen der Bauzeit können im Moment keine neuen Frauen aufgenommen werden und für die, zur Zeit unseres Aufenthalts noch verbliebenen drei Frauen, wurde eine zukünftige Lösung gesucht und gefunden. Deshalb haben wir auch Abschied mit Kaffee und Kuchen gefeiert und die Frauen in Gottes Obhut entlassen. Dabei konnte ich erleben, wie die Frauen sich gegenseitig gesegnet und füreinander gebetet haben.
Die Einladungen von Geschwistern aus den Gemeinden, von den Hauseltern Ghita und Christina, von Angela (offizieller Vorstand des Frauenhaus in Rumänien), der Hausärztin und ihrem Ehemann, von Anca (junge Hausangestellte) und Ihrer Schwester Alina sowie der Feier, anlässlich der Einsegnung von Lea Andrea (Kind von Ghita und Christina), als auch Gottesdienstbesuche in einer Baptisten- Pfingst-und Zigeunergemeinde (wo ich eine Taufe miterleben durfte) und einem Treffen aller ehrenamtlichen Mitarbeiter und auch Wohnungssuche für die Hauseltern, haben unseren Besuch zusätzlich mit Inhalt gefüllt.
So ist die Zeit wie im Flug vergangen und ich konnte den oben zitierten Vers umgesetzt sehen. Ich durfte einen Blick in die Vergangenheit des Hauses mit seinen Bewohnern tun und darf auch vertrauensvoll in die Zukunft des Hauses und der zukünftigen Bewohnerinnen blicken. Da es nicht ein Werk von Menschen, sondern Gottes Auftrag und Werk ist, das er durch uns tun möchte, wird er es auch in Zukunft leiten und es zu einem guten Gelingen führen. Dazu wünsche ich Elfriede und allen Mitarbeitern viel Glauben, Mut und Kraft.
Zum Schluss möchte ich mich noch bedanken für die liebevolle Annahme und Begleitung während der 10 Tage durch Elfriede und Sibylle, die ein so tolles Zweiergespann sind. Gott möge ihren Dienst an den Frauen weiterhin segnen. Für mich war es eine Zeit der Ermutigung und neuem Glauben in Gottes verwandelndes Handeln. Es war bestimmt auch nicht mein letzter Besuch!
In Liebe
Barbara Dauenhauer
Auf dieser Reise mit Elfriede und Barbara Dauenhauer hat mich eine Veranstaltung am Samstagmorgen besonders berührt. Wir wollten eigentlich Angela Scheven und Susanne Brink die Gelegenheit geben, ehemalige Bewohnerinnen kennen zu lernen.
Leider war am Flughafen Düsseldorf Streik angesagt, und so mussten die Beiden ihre Reise absagen!!!
Wir haben uns zum Brunch mit allen Bewohnern und Gästen getroffen. Das war ein frohes Hallo in enger Runde. Anschließend hat jede der früheren Bewohnerinnen aus ihrem jetzigen Leben berichtet. Sie alle zusammen wieder zu treffen, hat mich sehr bewegt. Viele Situationen, die wir gemeinsam erlebt haben, sind mir in den Sinn gekommen. Die Frauen sind nach ihren Möglichkeiten gereift und erwachsen geworden.
Die einen gehen in die Behindertenwerkstätten und haben auch Unterkunft dabei.
Eine Mama mit ihren drei Kindern hat eine Arbeit und Wohnung, die Kinder gehen zur Schule. M. arbeitet inzwischen in einer christlichen Einrichtung als Hilfe für den Haushalt. Ein Junge von damals ist ein großer junger Mann geworden und hat eine Arbeitsstelle gefunden. R. befindet sich noch in einer Ausbildung und hat eine Wohnung ganz in der Nähe des Frauenhauses. Sie kommt oft abends zu den Andachten ins Haus, manchmal auch, um mitzuessen.
Cristina ist eine selbstbewusste und starke junge Frau und Mutter geworden, und A. als Angestellte und ihre Schwester tun eine gute Arbeit im Haus.
Das Leben in Rumänien ist generell nicht einfach, aber sie meistern mit Gottes Hilfe ihren Alltag. Bei Problemen können sie ins Haus kommen und Seelsorge in Anspruch nehmen. Auch Weihnachten oder Neujahr feiern sie mit ihrer “alten Frauenhausfamilie”.Natürlich gibt es da auch Geschenke!
Solch eine Betreuung ist arbeitsintensiv, aber es lohnt sich! Ich bin voller Dankbarkeit, dass durch unseren und Euren Einsatz solch eine Arbeit überhaupt möglich ist. In Menschen zu investieren und ihnen die Liebe Gottes zu bringen, ist eine kostbare Sache.
Vielen Dank, dass Ihr diesen Dienst möglich macht.
Sibylle Böck
Reisebericht vom Rallye Team “The Mama and the Papas”
Wir, die Mitglieder des Rallye Teams “The Mama and the Papas”, bedanken uns sehr herzlich für zwei unvergessliche Tage, die wir dieses Frühjahr im Frauenhaus in Mediasch verbracht haben. Da sich mancher Leser fragen wird, was ein Rallyeteam im Frauenhaus zu suchen hat, vorab eine kurze Erklärung zu der Rallye, an der wir teilgenommen haben.
Die Rallye Allgäu-Orient ist eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt. Die Old- und Youngtimerrallye vom Allgäu in den Orient startete dieses Jahr am 28. April zum siebten Mal in Oberstaufen. Ziel war dieses Jahr zum ersten Mal Baku in Aserbaidschan, da das eigentliche Zielland Jordanien wegen des Syrienkonfliktes nicht über den Landweg zu erreichen war. Die Regeln der Rallye sind folgende: ca 100 Teams starten mit 6 Fahrern in 3 Autos, es darf kein Navigationsgerät und keine Autobahn benutzt werden, außerdem sind nur solche Autos zugelassen, die nicht mehr als 1.111 € kosten oder über 20 Jahre alt sind. Eine Übernachtung darf auch nicht mehr als 11 € kosten.
Nach der Ankunft in Aserbaidschan wurden die Autos in Einzelteile zerlegt und verkauft. Der Erlös kommt dem World Food Programme zu gute.
Nach zwei Tagen Fahrt und 1500 km über österreichische, ungarische und rumänische Landstraßen, kamen wir planmäßig am 30.4. abends in Mediasch an und wurden von den Mitarbeitern des Frauenhauses unglaublich herzlich empfangen. Nach einer warmen Dusche, schmeckten die Krautwickel, die extra für uns gekocht worden waren, vorzüglich. Nach dem Essen haben uns Cristina, die Hausmutter des Frauenhauses und ihr Mann Ghita durch das Frauenhaus geführt. Wir staunten in welch kurzer Zeit und mit welch professionellem handwerklichem Geschick das Frauenhaus zu dem geworden ist, was es heute ist. Dies wurde uns umso deutlicher, als uns Cristina und Ghita Bilder aus den Anfangsjahren des Frauenhauses zeigten. Besonders gut gefielen uns die geräumigen und schönen Zimmer, in denen die Frauen und ihre Kinder wohnen. Nach der Führung konnten wir unsere mitgebrachten Geschenke übergeben. Kinderbücher, Zahnbürsten, Fussbälle, Süßigkeiten und Kaffee waren ebenso darunter, wie Plüschtiere, Kinderkleidung, frisches Obst und vieles mehr. Mittlerweile sind auch 300 Euro Geld-Spenden für das Frauenhaus zusammengekommen und überwiesen worden. Wir danken allen sehr, die sich in der einen oder anderen Form daran beteiligt haben! Wir sind sicher, dass alles hier in guten Händen ist!
Am nächsten Morgen brachen wir nach einem raschen, aber reichhaltigen Frühstück zeitig auf, um – von Ghita geleitet – nach Valea Viilor (deutsch: Wurmloch) zu fahren. Wir haben hier dem Bürgermeister Fußballsachen (Pokale, Trikotsätze, Bälle) für das anstehende Fußballturnier abgeliefert, außerdem natürlich wieder reichlich gesponserte Fritt-Riegel. Wir danken an dieser Stelle auch unserem treuen Sponsor ”Ludwig Schokolade”. Der Frau des Bürgermeisters, der Ärztin des Ortes, die auch das Frauenhaus betreut, haben wir Medikamente und orthopädische Hilfsmittel zur Verwendung für mittellose Patienten überlassen. Das Dorf an sich, die Freundlichkeit und der Blick hinter die Fassaden u.a. beim gemeinsamen Essen und der Besuch im Bürgermeisteramt, waren schon allein die Reise wert. So haben wir beispielsweise in der Wehrkirche (Weltkulturerbe) eine alte Dame getroffen, die für die fünf verbliebenen deutschsprachigen Gemeindemitglieder (von einst 800) den Gottesdienst vorbereitete.
Nachdem wir Ghita wieder nach Mediasch zu Frau und Kind gebracht und noch schnell einen kleinen Maibaum für Cristina und die Kinder der Nachbarschaft aufgestellt hatten (eine Aufgabe, die wir laut unserem Roadbook an diesem Tag lösen mussten), ging es für uns weiter Richtung Orient.
Begonnen hat mein Interesse an der Arbeit des Frauenhauses auf einem Frauentag vor einigen Jahren in Ulm. Dort sprach Elfriede über ihre Kindheit und dem daraus resultierenden Wunsch, Frauen, die in Not sind, zu helfen.
Ich habe mir damals einen Flyer des Hauses mitgenommen und mir fest vorgenommen, dass ich mich mit Elfriede in Verbindung setzen würde, um mehr über dieses ?Projekt“ zu erfahren und vor allem darüber, wie man helfen kann.
Wie so oft kam der Alltag mit all seinen Aufgaben und Herausforderungen, die einen beschäftigen und abhalten und so gingen mehrere Jahre ins Land, ohne dass ich diesem Wunsch nachgegangen bin.
Doch dann kam die Leiterkonferenz der Ecclesia 2010 in Bischofsheim in der Rhön. Elfriede und ihr Mann waren auch dort. Doch sie persönlich ansprechen, das traute ich mich nicht. Meine Mutter ermutigte mich dazu, doch ich konnte nicht über meinen Schatten springen.
Doch Gott ist gut! So kam es, dass Elfriede sich bei einem Mittagessen spontan zu uns an den Tisch setzte und wir ins Gespräch kamen, auch über das Haus und ihren Einsatz dort. Am Ende des Gespräches war klar, dass ich Elfriede bei einem ihrer nächsten Einsätze vor Ort begleiten würde. Ich weiß heute noch, wie platt ich war über das, was sich gerade ergeben hatte.
Eigentlich sollte ich dann im November 2010 mit Elfriede nach Medias fliegen, aber irgendwie zerschlug sich das und so kam es, dass ich im März mit einer Freundin aus unserer Gemeinde zusammen auf dem Weg dort hin war.
Am 5.03.2011 flogen Iris und ich bei wunderschönem Winterwetter mit strahlendem Sonnenschein von Frankfurt über München nach Hermannstadt.
Der Losungstext für den Tag kam aus Jesaja 60,2 und lautete:
?Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und tiefes Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir“.
Ich war gespannt, was mich erwarten würde und betete, dass ich Gottes Hände und Gottes Mund sein kann, dass ich auch ohne Sprachkenntnisse seine Liebe weiter geben kann. Auf keinen Fall wollte ich den Eindruck erwecken, dass ich als Besucher komme, der ein Unterhaltungsprogramm geboten bekommen möchte.
Am Flughafen wurden wir freundlich von Elfriede und der Hausmutter Cristina empfangen. Was für eine Überraschung, dass auch sie Deutsch spricht. Das nimmt eine der Hürden – die Sprache. 🙂
Unser erster Weg führte zu Netto und Obi. Wir waren erstaunt über das Sortiment und die Tatsache, dass man sich im Prinzip vorkommt wie in Deutschland, nur die Sprache ist irgendwie anders. 🙂
Iris war begeistert, als sie sogar einen Kebab-Stand entdeckte.
Irgendwie hatten wir einen größeren Kulturschock erwartet.
Nach ca. einer Stunde Fahrt kamen wir am Abend im Frauenhaus Casa Estera (Haus Esther) an. Anca, eine der Mitarbeiterinnen, hatte uns ein leckeres Abendbrot zubereitet, das wir dankbar vertilgten und dann in unserem liebevoll eingerichteten Zimmer ins Bett fielen.
Am nächsten Tag, Sonntag, hatten wir die Möglichkeit, in einem Nachbarort bei einer Hochzeit dabei sein zu können. Es war interessant, diesen so besonderen und etwas anderen Gottesdienst miterleben zu dürfen.
Interessant waren auch die Hintergrundinformationen, die wir von Elfriede zu einer Hochzeitsfeier in Rumänien bekamen. Mitfeiern, darf nämlich jeder, der das Essen bezahlt und dazu noch einen Betrag X schenkt, den das Paar in die gemeinsame Zukunft investieren kann. So ist in jedem Fall die Feier schon durch die Anwesenden bezahlt.
Wir wurden außerordentlich nett begrüßt. Der Pastor selbst war ein Siebenbürge und sprach Deutsch.
Wir kamen u.a. ins Gespräch mit einem Ehepaar, das mit Zigeunerkindern arbeitet. Sie haben ein Haus, wo sie täglich Kinderstunden in verschiedenen Schichten abhalten und den Kindern neben Gottes Wort auch eine Mahlzeit, Liebe und Zuwendung zukommen lassen. Wir fuhren einige Tage später in das Dorf und schauten uns diese Arbeit an, die mein Herz berührte.

Jetzt sah ich doch den Unterschied zu meinem Leben in Deutschland.
Die Umstände zu sehen, in denen die Kinder dort aufwachsen und zu wissen, dass wir im selben Jahr leben und dort viele Familien noch nicht einmal eine Toilette haben. Und wir überlegen hier, welchen Flachbildschirm wir uns als nächstes kaufen – das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Kein Mensch kann etwas dafür, wo er geboren wird und in welche Familie, Umstände, welche Nationalität oder Kultur…Wie dankbar kann ich für so vieles sein und wie vieles nehme ich oft als so selbstverständlich hin.
Am Abend besuchten wir noch einen Zigeunergottesdienst. Hatte ich am Morgen gedacht, dass der Gottesdienst schon anders sei als der bei uns zu Hause, so erlebte ich hier noch eine Steigerung. Um 18 Uhr sollte es losgehen, um halb sieben füllte sich der – nur mit Holz aus dem Ofen beheizte – Raum langsam. Der Gesang wurde notdürftig durch ein halb kaputtes Mikrofon unterstützt. Nach den Liedern – manchmal schienen sie schier endlos lange Strophen zu haben ? – kam ein Wort und dann wieder ein Lied und wieder ein Wort….Am Anfang dachte ich noch an etwas wie die Einleitung, aber so ging das eine ganze Weile.
Ganz nach dem Motto „Ein jeder habe etwas“.
In dieser Gemeinde wurde für mich die Armut der Zigeuner sehr deutlich. Der Raum an sich war sehr spärlich eingerichtet, viele Dinge kaputt bzw. notdürftig repariert. Die Kinder sahen recht ärmlich gekleidet aus und ein kleines Kind spielte mit einer Puppe, die bei uns längt weggeworfen worden wäre.
Es berührte mich, wie diese Menschen, die auch in Rumänien zu den Randgruppen der Gesellschaft gehören und oft sehr arm sind, doch voller Inbrunst Gott lobten.
Es folgten Tage voller neuer Eindrücke und Erlebnisse.
Elfriede hatte sogar einige Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten organisiert. So haben wir Medias und die schöne Altstadt von Birthelm, das zum Weltkulturerbe gehört, besichtigen dürfen.
Ein besonderer Tag war der 8.03. – der Internationale Frauentag.
In Deutschland ist dies für mich ein Tag wie jeder andere.
In Rumänien ein Tag, an dem die Frau geehrt wird, im Mittelpunkt steht, sie Geschenke bekommt, verwöhnt wird.
Der Tag begann mit einem leckeren Frühstück, dass Elfriede für alle Frauen im Haus zubereitet hatte. Für die Frauen im Haus etwas ganz Besonderes – Frau Elfriede lädt sie zu sich ein.
Im Laufe des Vormittags bereitete ich die Dekoration für den Abend vor, an dem Iris und ich einen Gala-Abend für die aktuellen Bewohner und ehemalige Bewohnerinnen sowie Mitarbeiter, Ehrenamtliche – kurz es wurde mit ca. 30 Frauen gerechnet – organisieren sollten.
Iris – die Menüchefin – brutzelte ein leckeres Menü mit Schweinebraten, Rotkraut, Knödeln, Suppe und leckerem Nachtisch.
Alle Mühe hatte sich spätestens dann gelohnt, als ich die strahlenden Gesichter der wunderschön gekleideten Frauen sah, die nicht verstehen konnten, warum zwei Frauen aus Deutschland nach Rumänien kamen, um ihnen zu dienen.

Es wurde gesungen, kleine Lebensberichte erzählt und die Zeit einfach genossen.
Zum Abschied bekam jede Frau noch ein ganz persönliches Geschenk, das Iris und ich vorbereitet hatten.
Es wird ein unvergesslicher Abend bleiben!!
Die Woche ging viel zu schnell vorüber mit einem Bastelnachmittag, einem Vortrag einer anderen Frauenorganisation, einem Frauenfrühstückstreffen… und schon bald saß ich mit Elfriede und Iris im Flugzeug nach Frankfurt.
Für mich steht fest, dass dies nicht mein letzter Besuch im „Casa Estera“ (Haus Esther) war. Und ich freue mich schon jetzt darauf, den Hausmeister Ghita, seine Frau Cristina und einige andere Bewohner/Mitarbeiter wieder zu sehen.
Rahel

Hallo, liebe Leser der Reiseberichte!
Zuerst möchte ich meinem Mann Dieter danken, der sich bereit erklärt hat, Urlaub zu nehmen, um unser Haus und unsere vier Kinder zu hüten. Danke, mein Schatz.
Mein Name ist Iris Rapp, ich bin seit 15 Jahren verheiratet, habe vier Kinder und wohne in Raunheim (Rhein-Main-Gebiet).
Ich flog mit meiner Freundin Rahel vom 5.3.-13.3.2011 nach Medias. Die Vorfreude war riesig bei mir. Es gab auch Bedenken. Was würde mich dort erwarten, und wie würde es mit der Verständigung werden? Aber ich habe mir gedacht, Gott, du weißt es, und du wirst das schon irgendwie hinkriegen.
Von Elfriede und Cristina wurden wir vom Flughafen Hermannstadt abgeholt. Unsere erste Aufgabe bestand darin, am 8. März, dem Internationalen Frauentag, für ca. 30 Frauen zu kochen. Rahel hat sich bereit erklärt die Tischdeko zu organisieren und ich habe das Menü zusammen gestellt. Es gab Spargelcreme-Suppe, Rotkohl mit Kartoffel- und Semmelklößen und Schweinebraten. Das Dessert bestand aus heißen Kirschen mit Vanilleeis. Es war eine schöne, aber auch spannende Angelegenheit.
Seit zwei Wochen, war eine junge Frau mit ihrem 14 Tage alten Baby im Haus. Da die Frau deutsch sprach, wurde es meine Aufgabe, ihr zu zeigen, was man alles beim Stillen beachten soll, wie man ein Baby badet, wie man sich als stillende Frau ernähren soll usw.
Ich war begeistert über die Offenheit der Bewohner. Wir waren doch Fremde, aber sie öffneten sich uns gegenüber bei der Andacht und der Gebetszeit.
Es war eine wirklich tolle Zeit in Medias. Doch was mich total begeistert hat, ist unser Gott. Wenn man sich ihm öffnet, geschehen wunderbare Dinge.
Ich wünsche dem Haus Esther, den Mitarbeitern und den Bewohnern Kraft, Weisheit und den Segen Gottes.
Ich konnte jetzt schon zum vierten Mal das Frauenhaus in Mediasch besuchen. Der gemeinsame Flug mit Elfriede (nach Bahn und Autoreisen in den vergangenen Jahren) war sehr entspannend. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man 2 ½ Stunden fliegt oder zwei Tage mit dem Auto unterwegs ist!
Im Frauenhaus angekommen, staunte ich nicht schlecht, was Gott an den Bewohnern seit meinem letzten Aufenthalt getan hat. Frauen, die in ihrer Persönlichkeit und Seele stark verletzt waren, erlebten in der Zwischenzeit Heilung und persönliche Wiederherstellung.
Es stimmt, was in Lukas 18, 27 steht: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ So ist dieses Haus ein Ort der persönlichen Zuwendung durch die Mitarbeiterinnen und des Segens durch unseren großen Gott.
Eine echte Überraschung war, dass ich an der Taufe einer Bewohnerin teilnehmen konnte. Bei meinem letzten Aufenthalt hätte ich diese Veränderung in ihrem Leben nicht für möglich gehalten. Ja, Gott ist wirklich gut. Einmal mehr erkenne ich, dass kein Mensch über diese Erde geht, den Gott nicht liebt. Wenn wir uns IHM anvertrauen, wird unser Leben neu gestaltet und bekommt Lebensqualität.
Diese Erfahrung konnte ich auch bei meinem diesjährigen Besuch hautnah miterleben. Natürlich bleibt immer ein Stück intensiver Arbeit und Betreuung für die Mitarbeiterinnen übrig, gerade wenn sich Neuankömmlinge in die Hausgemeinschaft einleben und eingewöhnen müssen.
Auch das Bauprojekt schreitet voran. Der Rohbau ist fertiggestellt und nun beginnt der Ausbau.
Ein weiterer Höhepunkt des diesjährigen Besuches war ein dreitägiger Ausflug von Mitarbeiterinnen, Bewohnern, Elfriede und mir in einen Erholungsort.
Insgesamt war es wieder eine gesegnete Zeit – auch für mich ganz persönlich. Bestimmt war es nicht das letzte Mal, dass ich nach Rumänien zu unserem Frauen-haus gefahren/geflogen bin.